Nachhaltigkeit im Fußball

Fußball boomt. Aber es gibt immer häufiger Misstöne, wiederholt Skandale, zunehmende Kommerzialisierung, abnehmende Identifikation. Und das nicht nur auf internationaler Ebene oder in der Bundesliga. Schon in der Bezirksliga werden mitunter Mannschaften von einem Unternehmer zusammengekauft, in der Hoffnung auf mehrere Aufstiege. Die Zuschauer bleiben weg, weil kaum ein Spieler mehr aus dem Ort, der Stadt oder dem näheren Umfeld kommt.

Stellt sich dann der Erfolg nicht oder nicht schnell genug ein,  ziehen Geldgeber sich zurück und die „Stareinkäufe“ zum nächsten Klub. Oft geht es in der Folge nicht nur eine Klasse hinunter, sondern gleich mehrere, weil alles, was den Verein einmal ausgemacht hat, nicht mehr vorhanden ist.

Apropos Spieler: Die schauen sich das Verhalten der großen Stars ab, sind kaum noch authentisch, sondern geben meist die immer gleichen Floskeln von sich. Die Fragen der Journalisten passen sich dem Niveau zuweilen an.

Wie seht ihr das? Bietet der heutige Fußball ausreichend Identifikationsmöglichkeiten? Wie authentisch ist er, und kann er dem Megatrend Nachhaltigkeit in irgendeiner Form gerecht werden?

Werder verliert Testspiel – zum Glück!

Die Vorbereitung auf die neue Bundesliga-Spielzeit ist in vollem Gange, Werder Bremen hat zwei Wochen hinter und noch vier Wochen vor sich. Die Testspiel-Ergebnisse des Skripnik-Teams sind noch dürftig. Die ersten Interessierten monieren das bereits und fürchten erneut eine Saison, in der es für die Grün-Weißen nur gegen den Abstieg geht. Vereinzelt werden schon wieder Stimmen laut, Werder bräuchte einen neuen Trainer. Doch erinnern wir uns: Die Ergebnisse in Tests vor der vergangenen Saison waren prima, die Klasse erhielt Werder allerdings erst am letzten Spieltag. Vor der Saison 2003/2004 gab es diese peinliche Niederlage in Pasching, am Ende gewannen die Bremer erstmals in der Vereinsgeschichte das Double.

Testspielsiege und Erfolge in Pflichtspielen

Überhaupt: Ergebnisse in Testspielen! Die Trainer ziehen ihren Plan durch, die Gegner sind oft in einer anderen Phase. Werders Kontrahent von heute, der mit 2:1 siegreiche Zweitligist TSV 1860 München hat bereits in zwei Wochen Punktspielauftakt, Werder erst in vier Wochen das erste Pflichtspiel im Pokal. Bundesliga-Absteiger Hannover 96 kam nach 2:0- und 3:1-Führung heute nur zu einem 3:3 gegen den Drittligisten Hallescher FC. Halle hat bereits in einer Woche das erste Punktspiel. Manchester United verlor gegen Borussia Dortmund 1:4, ManUs Trainer José Mourinho meinte hinterher, es sei ein Vergleich Formel 3 gegen Formel 1 gewesen. „Vom Ergebnis darf man sich nicht blenden lassen“, sagte Dortmunds Doppel-Torschütze Gonzalo Castro. Eben: Es geht jetzt noch nicht um Ergebnisse, sondern darum, fit zu werden, Abläufe einzustudieren, zu sehen, wo es noch hapert. Und darum, etwas auszuprobieren.

Werders Trainer Viktor Skripnik gab bislang insgesamt über 30 Werder-Kickern Spielpraxis, sorgte zwischenzeitlich durch den Einsatz von U23- und U19-Spielern für Entlastung bei den Mitgliedern des Profi-Kaders und gleichzeitig dafür, dass der Nachwuchs sich mal zeigen konnte. Aus dem Profikader kamen verletzungsbdingt noch gar nicht zum Einsatz: Eilers, Johannsson, Lorenzen, Kleinheisler und Yatabaré sowie Bargfrede, Moisander und Torwart Wolf. Das Trainer-Team scheint die Mannschaft auf eine 4-1-4-1-Grundordnung auszurichten. Doch auch zwei Sechser waren in den Tests schon zu beobachten, eine Dreierabwehrkette war ebenfalls zu sehen sowie ein Zweier- oder gar Dreiersturm. Derzeit kristallisiert sich folgende Stammelf heraus: Wiedwald – Gebre Selassie, Diagne, Caldirola/Galvez, S. Garcia – Petsos – Bartels, Fritz, Junuzovic, Kainz – Pizarro.

Veränderungen im Kader

Der Unterschied zur vergangenen Saison besteht vor allem in der Innenverteidigung (Diagne und Caldirola für Djilobodji und Vestergaard), zudem wird interessant sein, wer das Rennen im defensiven Mittelfeld macht. Drei wichtige Positionen, auf denen aber neben den genannten auch noch Spieler wie der erfahrene neue Innenverteidiger Moisander oder Fritz auf der Sechs infrage kommen. Für Fritz könnte Talent Maximilian Eggestein in der offensiveren Reihe zum Zug kommen. Zu hoffen bleibt, dass sie angeschlagenen und verletzten Spieler wie Bargfrede, Grillitsch, Kleinheisler und Yatabaré schnell wieder fit werden, da sie allesamt im zentralen Mittelfeld gute Alternativen darstellen. Abzuwarten bleibt, wie sich die Youngster Veljkovic und Fröde schlagen, die sowohl in der Innenverteidigung als auch im defensiven Mittelfeld einsetzbar sind. Neuzugang Florian Kainz zeigt schon gute Ansätze, schießt beispielsweise gute Standards. Er sollte den Verlust von Levin Öztunali auffangen können.

Von der Bank kommen weitere vielversprechende Spieler, doch für eine Beurteilung ist es ohnehin viel zu früh. Schließlich ist das Transferfenster noch bis Ende August geöffnet und Frank Baumann hat angekündigt, den Kader weiter verkleinern zu wollen. Darüber hinaus ist schwer abzusehen, wann Spieler nach Verletzungen wieder ein ausreichendes Niveau haben oder ob Blessuren bei aktuell fitten Kickern hinzukommen.

Alles in allem scheint der Kader zumindest nicht schlechter zu sein als in der vergangenen Saison. Die bekannten Spieler und das Trainer-Team werden aus der Spielzeit gelernt haben und sich weiterentwickeln. Die neuen Spieler bringen frischen Wind in den Kader.

Kopfballstärke und Körperlänge

Dienstag erleben wir möglicherweise das Testspieldebüt von Niklas Moisander. Er könnte der neue Abwehrchef werden. Doch auch zu ihm gab es erste Wortmeldungen von Nörglern und Zweiflern. Der Mann sei mit 1,83 Metern Körperlänge zu klein, schließlich habe Werder dort hinten mit Spielern wie Vestergaard oder Mertesacker stets Leuchttürme gehabt. Erstens ist Körperlänge und Kopfballspiel nicht alles, zumal viele Gegner gar nicht mehr mit einem „Riesen“ im Sturmzentrum agieren, zweitens können auch kleinere Spieler kopfballstark sein. Frag nach bei Karl-Heinz Riedle. Kopfballstark dank Sprungkraft und gutem Timing; Spitzname „Air Riedle“! Er wurde unter anderem Weltmeister, Champions-League-Sieger und Deutscher Meister (1988 auch mit Werder Bremen, Riedle erzielte das meisterschaftsentscheidende 1:0 am 31. Spieltag in Frankfurt). Seine Körperlänge: 1,79 Meter.

 

 

 

 

 

Vor dem EM-Viertelfinale: Grün-weiße Gedanken

Heute ab 21 Uhr rollt bei der EM in Frankreich wieder der Ball. Im ersten Viertelfinale trifft Polen in Marseille auf Portugal. Gibt es eigentlich einen Werder-Bezug zu Frankreich, Polen, Marseille oder Portugal? Mir fallen da spontan ein: Micoud, Obraniak (bei der EM 2012 noch im polnischen Kader), Völler (er gewann mit Olympique Marseille in Werders Meisterjahr 1993 die erste Ausgabe der Champions League ) und Hugo Almeida (er spielte zuletzt vor über einem Jahr für Portugal).

Morgen spielt dann Wales gegen Belgien mit Ex-Werderaner Kevin de Bruyne, Samstag folgt der Klassiker Deutschland gegen Italien. Die nach der WM 2014 aus der Nationalelf zurückgetretenen Ex-Bremer Klose und Mertesacker sind noch immer unter den ersten zehn Rekordspielern der deutschen Auswahl. Ex-Bremer Mesut Özil ist aktuell Stammspieler, kam einst für 5 Millionen von Schalke, ging für 18 zu Real und für 47 zu Arsenal. Der Kicker schreibt heute über ihn „Genie oder Mitläufer“? Aus dem aktuellen Werder-Kader ist Clemens Fritz der einzige Spieler, der für die deutsche A-Elf auflief, seinen letzten Einsatz hatte er gegen Wales. Zu Italien fällt mir als erstes der deutsche WM-Finalsieg 1990 in Rom ein; in die Zeit fällt auch die goldene Werder-Ära unter Rehhagel.  Und ich denke an Luca Caldirola und wünsche mir, dass er zur neuen Saison in Bremen durchstartet – auch wenn das hier anders aussieht. Ob er wohl morgen (Vertrag bei Werder greift wieder) auf Grün-Weiß umstellt?

Sonntag dann das Duell der Gastgeber gegen Island. Einer der beiden wird Deutschlands Gegner im Halbfinale, wenn wir Italien besiegen. Bei Island denke ich an Aron Johannsson, auch wenn der US-Nationalspieler ist. Er wird hoffentlich schnell wieder gesund und kann im Werder-Trikot zeigen, was er drauf hat. Das hier lässt hoffen.

Übrigens: Mein Neffe Luca hat von den acht Mannschaften fünf richtig ins Viertelfinale getippt. Das ist eine Erfolgsquote von 62,5 Prozent. Umgemünzt auf Siege in einer Bundesliga-Saison würde das 63 Punkte und damit höchstwahrscheinlich die Qualifikation für die Champions League bedeuten, die seine Bayern wohl erneut erreichen werden 😉

Ich bin gespannt, wie Werder so punktet. Vielleicht sind die Münchner beim Bundesliga-Auftaktspiel am 26. August ja noch ein bisschen müde. Viele Europameister und so …

Vorschau auf die EM

In ein paar Tagen beginnt die Europameisterschaft – mit dem Spiel des Gastgebers Frankreich gegen Rumänien am 10. Juni im Stade de France in Paris Saint-Denis. Endlich!

Und deswegen wird es Zeit für eine kleine Vorschau auf die EM, um die Chanchen der einzelnen Teilnehmer zu beleuchten.

Gruppe A:

In Gruppe A ist das Kräfteverhältnis klar verteilt: Frankreich wird sich ziemlich sicher als Erster für das Achtelfinale qualifizieren, die Schweiz als Zweiter und Rumänien oder Albanien als Dritter, wobei diese beiden auch die Schweiz schlagen und Zweiter werden könnten. Frankreich ist für mich der Topfavorit auf den Titel, weil sie den Heimvorteil nutzen können und einen extrem guten Kader haben, dem aber ein kleinens bisschen die Erfahrung fehlt.

Tipp:

  1. Frankreich
  2. Schweiz
  3. Albanien
  4. Rumänien

Gruppe B:

Der Erste in der Gruppe B wird England heißen, da lege ich mich fest. Aber um den zweiten Platz kämpfen Russland, Slowakei und Wales. In diesem Dreikampf sehe ich in Wales den Favoriten, wobei ich Russland überhaupt nicht einschätzen kann und Slowakei im Testspiel mal eben Deutschland besiegt hat.

Tipp:

  1. England
  2. Wales
  3. Russland
  4. Slowakei

Gruppe C:

In der deutschen Gruppe wird es zwei Zweikämpfe geben: den einen zwischen der Ukraine und Nordirland um den dritten Platz, den anderen um den ersten Platz zwischen Polen und Deutschland. Bei Joachim Löws Auswahl war bei den letzen Turnieren immer das Problem, dass ein Spiel in der Gruppenphase nie gewonnen wurde. Deswegen glaube ich, das Polen gegen die deutsche Nationalmannschaft gewinnen und als Erster ins Achtelfinale einziehen wird, Deutschland aber wieder mindestens ins Halbfinale kommen wird.

Tipp:

  1. Polen
  2. Deutschland
  3. Ukraine
  4. Nordirland

Gruppe D:

Ich bin gespannt, wie Spanien das frühe Aus bei der WM verkraftet hat, hoffe und glaube aber, dass die Selección ziemlich locker ins Achtelfinale einziehen wird. Dahinter ist wie in Gruppe B alles offen, wobei die Türkei meiner Meinung nach der Favorit auf den zweiten und Kroatien auf den dritten Platz ist. Titelverteidiger Spanien wird mindestens ins Halbfinale kommen.

Tipp:

  1. Spanien
  2. Türkei
  3. Kroatien
  4. Tschechien

Gruppe E:

Gruppe E ist sicherlich eine der ausgeglichensten Gruppen des Turniers. Irland ist der Underdog, die anderen drei können jeweils Erster werden. Belgien hat auf jeden Fall den besten Kader, diesem fehlt aber die Erfahrung des italienischen oder schwedischen Teams. Meiner Meinung nach wird Belgien Erster, Schweden Zweiter und Italien qualifiziert sich als Dritter für das Achtelfinale.

Tipp:

  1. Belgien
  2. Schweden
  3. Italien
  4. Irland

Gruppe F:

Aber die ausgeglichenste Gruppe ist definitiv Gruppe F, bei der selbst Ungarn Erster werden kann. Österreich ist aber in meinen Augen der Favorit und wird es auch auf Platz eins packen. Portugal oder Island werden Zweiter, die Erfahrung spricht für Portugal, das kämpferische für die Isländer. Ungarn wird auch über den Kampf versuchen müssen, Punkte zu sammeln.

Tipp:

  1. Österreich
  2. Portugal
  3. Island
  4. Ungarn

 

Achtelfinale:

Schweiz – Deutschland

Spanien – Italien

England – Albanien

Österreich – Schweden

Polen – Island

Belgien – Türkei

Frankreich – Kroatien

Wales – Portugal

Viertelfinale:

Deutschland – Spanien

England – Österreich

Polen – Belgien

Frankreich – Portugal

Halbfinale:

Deutschland – England

Belgien – Frankreich

Finale:

Deutschland – Frankreich

Sieger:

Frankreich

Werder: Zurück zur Sachlichkeit

Nach der Euphorie im grün-weißen Bremen, entstanden vor allem durch das 6:2 gegen Stuttgart, die ersten beiden Zu-Null-Bundesligaspiele der Werder-Saison und den damit verbundenen Klassenerhalt, ging es schnell wieder los mit der Kritik und allerlei Diskussionen. Diese liefen während der gesamten Spielzeit viel zu selten sachlich und fair ab. Sei es seitens der Medien, einiger „Fans“ oder anderer Experten, die sich zum Thema Werder zu Wort meldeten. Nach einer Saison, in der das ursprüngliche Ziel verpasst wurde, ist Jubel, der über die Freude über das Erreichen des Minimalsziels Klassenerhalt hinausgeht, fehl am Platz. Ebenso daneben ist ein Draufhauen, überzogene Kritik, Schwarzmalerei oder Vorverurteilung. Was ist denn wirklich passiert und was ist zu erwarten?

Saisonziele: Klar verfehlt? Knapp verpasst und Nachwuchs gefördert!

Das Saisonziel war ein einstelliger Tabellenplatz. Das Ziel wurde mit Rang 13 verpasst „klar verfehlt“ war in einigen Medien zu lesen. Ich finde fünf Punkte Abstand eher knapp. Das kann im (Mannschafts-)Sport mit seinen vielen Unwägbarkeiten (Verletzungen, (Tages-)Form, Schiedsrichterentscheidungen, äußere Einflüsse) passieren. Glück und Pech spielen eine Rolle. Und die Qualität des Kaders ist auf dem Papier eben eine andere als auf dem Platz. Stabilisatoren wie Bargfrede hatten mit Verletzungen zu kämpfen (in der Rückrunde nur zwei Einsätze), andere mit der Form (Junuzovic kam erst am 23. Spieltag in Schwung), Nachwuchsleute brauchten Zeit (Grillitsch ist „erst“ seit der Rückrunde Stammspieler), sehr erfahrene Torjäger zunächst eine Vorbereitungsperiode (Pizarro startete erst in der Rückrunde durch) und Alternativen erstmal volle Gesundheit (Johannsson kam verletzungsbedingt nur die ersten sechs Spiele, in denen er zweimal traf, zum Zug hochgerechnet hätte er immerhin auf elf Tore kommen können). Alles normal. Fußballprofis sind Menschen und keine Maschinen.

Trotz dieser Schwierigkeiten erreichte Werder zum ersten Mal seit 2010 wieder das Halbfinale im DFB-Pokal. Dieses Ergebnis lag sicher über den Erwartungen, zumal die Grün-Weißen auf dem Weg dorthin Champions-League-Teilnehmer besiegten und den Anhängern teilweise Fußballfeste lieferten, wie beim 4:3 in Gladbach.

An der aktuellen Marktwerttabelle von transfermarkt.de gemessen, ist Bremen den Erwartungen übrigens voll gerecht geworden. Andere haben sich hingegen deutlich unter Wert verkauft: Wolfsburg (mit großem Vorsprung vor Hoffenheim 5. in der Marktwerttabelle, aber nur 8. in der sportlichen Abschlusstabelle, also ohne internationale Qualifikation), Hoffenheim  (7./15.), Stuttgart (8./17.), Frankfurt (9./16.).

Stichwort Nachwuchsförderung: Die U23 schaffte als Neuling den Klassenerhalt in der 3. Liga und ist dort in der nächsten Saison gemeinsam mit Mainz 05 und vielleicht Wolfsburg (Teilnehmer an Aufstiegsspielen) einzige Profinachwuchsmannschaft. Die U19 wurde Meister der Bundesliga Nord/Nordost und schaffte es bei der Deutschen Meisterschaft und im DFB-Pokal jeweils bis ins Halbfinale. Mal abgesehen von dem auch erst 23-jährigen Jannik Vestergaard als Stammspieler setzte Viktor Skripnik bei den Profis 14(!) Spieler unter 23 Jahren in der Bundesliga ein  die Mehrzahl ist sogar jünger als 21 Jahre: Grillitsch (25 Einsätze), Öztunali (25), U. Garcia (11), Lorenzen (9), Sternberg (9), Fröde (8), M. Eggestein (7), Kleinheisler (6), Veljkovic (3), Zander (2), Guwara (1), Hilßner (1), Hüsing (1), Yildirim (1).

Finanziell erholt: Darauf lässt sich aufbauen

Zur finanziellen Lage ist dieser Artikel aufschlussreich: Werder geht es finanziell so gut wie lange nicht. Darin wird Klubchef Klaus Filbry zitiert: „Wir haben den einen oder anderen Sponsor für die nächste Saison schon an der Hand. Wir haben unsere Zahlen in den Bereichen Ticketing, Hospitality, Sponsoring und Merchandising mindestens stabil gehalten, teilweise sogar verbessert. Und das in sportlich schwierigen Zeiten. Das zeigt die Stärke des Vereins.“

Seit der Saison 2012/2013 im Jahr zuvor hatte es mit dem Wechsel von Per Mertesacker zu Arsenal London den vorerst letzten Abgang für eine zweistellige Millionenablösesumme gegeben hat Werder zudem bei den Spielertransfers insgesamt 10 Mio. Euro mehr eingenommen als ausgegeben.
Das Erreichen des DFB-Pokalhalbfinales in dieser Saison trug ebenfalls zur finanziellen Entspannung bei.

Eine #greenwhitewonderwall kann viel bewegen

Mal abgesehen davon, dass gefühlte zehn Minuten monotoner Werder-Fan-Dauergesang wie „Unser ganzes Leben sind wir für dich da …“ (nicht grundsätzlich schlechter Song, nur zu häufig lasch vorgetragen) manchmal eher traurig und gelangweilt klingt wie beim 0:2 in Ingolstadt, leidenschaftliches Anfeuern wie beim 6:2 gegen Stuttgart etwas ganz anderes ist und den Jungs auf dem Rasen sicher mehr hilft. Mal abgesehen von (unvergleichbar schlimmer als monotoner Trauergesang!) einzelnen Unbelehrbaren, die im grün-weißen Block mit Pyrotechnik die Gesundheit und Sicherheit anderer im Stadion gefährden, wofür der Verein dann mit Strafgeldern belegt wird. Oder abgesehen von jenen, die nicht nur notorisch meckern, sondern in sozialen(!) Medien Werderaner verunglimpfen, unsachlich und völlig überzogen „Kritik üben“: Die allerallermeisten Werder-Fans sind einfach superspitzenklasse! Über den Rückhalt in schweren Zeiten und Aktionen wie #greenwhitewonderwall oder #morshoch, die zu Vergleichen mit der Stimmung an der legendären Anfield Road führten (#ThisisOsterdeich), ist alles gesagt. Allererste Sahne, Leute!

Vom umjubelten „Skripniker“ zum Verlierer und wieder zurück!

Viktor Skripnik wurde zum umjubelten „Skripniker“, als er im Oktober 2014 nach neun sieglosen Spielen Trainer Robin Dutt ablöste, auf ein 4-4-2 mit Raute umstellte und seine ersten drei Pflichtspiele gewann. Vom 17. bis zum 22. Spieltag war er in fünf von sechs Spielen siegreich, das sechste war ein 1:1 auf Schalke. In jener Rückrunde holten die Bremer mit ihm 26 Punkte. Hochgerechnet  auf eine komplette Saison wären das 52 Punkte und Platz fünf; die Rückkehr ins internationale Geschäft. Für Medien und Fans wurde Skripniks gebrochenes Deutsch ein Markenzeichen, der Ukrainer Sympathieträger. Vergleiche mit dem erfolgreichen Thomas Schaaf mit seinem trockenen Humor und seiner ruhigen Ausstrahlung wurden angestellt.

Einige Monate später sind manche Medien und manche Fans genervt von Skripniks gebrochenem Deutsch. Sein Humor ist weg, der würde aber ohnehin negativ ausgelegt werden bei all den Niederlagen. So wie seine ruhige Ausstrahlung. Die ist jetzt zu ruhig, damit ließe sich ja wohl keine Mannschaft im Abstiegskampf anstacheln. Und überhaupt: Der Trainer hat zu oft die Hände in den Hosentaschen, lässt die Schultern hängen, hat den Blick gesenkt. So einen muss man feuern. Sagen manche Medien und manche Fans. Werder aber hält an ihm fest. Und schafft den Klassenerhalt.
Ist ja nur das Verdienst von #greenwhitwonderwall? Dann hätten die Fans ja schon in Ingolstadt den Sieg einfahren können und gegen all die anderen Gegner vor Wolfsburg, Stuttgart, Frankfurt!
Ist ja nur das Verdienst des Psychologen? Wie gelangen ohne ihn die Siege im Pokal? Wie gelang nach fünf Niederlagen in Folge das 3:1 in Mainz, wie die Aufholjagd gegen Hertha, wie die beiden 4:1-Siege in Leverkusen und gegen Hannover?
Skripnik hat seinen Anteil – auch an den Erfolgen! Er ist jetzt noch nicht mal seit zwei Jahren Bundesliga-Trainer. Junge Spielern können noch nicht so konstant in ihren Leistungen sein, sagt man und gesteht ihnen Zeit zur Entwicklung zu. Warum nicht auch Skripnik? Er hat sein Talent unter Beweis gestellt: 26 Punkte in der vergangenen Rückrunde, 23 Punkte in dieser. Das darf sogar als konstant bezeichnet werden. In fast zwei Jahren war im Grunde nur die Hinrunde der abgelaufenen Saison daneben. Und dafür gibt es Gründe, die nicht nur bei Skripnik zu suchen sind, sondern auch in den Unwägbarkeiten (siehe oben im Abschnitt Saisonziele).

Seit 2010/2011 pendelt Werder zwischen Platz 9 und 14, erreichte pro Saison 34 bis 43 Punkte, erzielte 42 bis 50 Tore und fing sich 58 bis 66 Gegentore. Da ist die vergangene Saison mit Platz 13, 50:65 Toren und 38 Punkten noch nicht mal die schlechteste. Man kann diese Zeit als Stillstand, als ein Auf-der-Stelle-treten betrachten. Dabei gilt es zu bedenken, dass Werder in dieser Zeit unter anderem die Abgänge folgender großartiger Spieler verkraften musste: Baumann, Diego, Almeida, Özil, Frings, Mertesacker, Borowski, Pizarro, Rosenberg, Wiese, Naldo, Sokratis, de Bruyne. Dafür kamen für viel Geld beispielsweise Marin, Arnautovic, Wesley, Ekici oder Elia, die allesamt nicht richtig einschlugen. Dass nicht jeder Spieler passt, passiert auch anderswo. In Bremen war es nur sehr schmerzhaft, weil alles gleichzeitig zueinander kam: Finanzielle Schieflage durch Stadionbau, teurer aber in Teilen vielleicht satter Kader, fehlender sportlicher Erfolg. Shit happens. Ich würde Allofs deswegen keinen Vorwurf machen, auch nicht Lemke bezüglich Born und so weiter. Dazu kenne ich die Hintergründe und Einzelheiten nicht oder nur über die Presse und ich finde, Lemke und Allofs verdienen wie Schaaf Respekt für all das, was sie für den Klub getan haben.

Exkurs Philosophie: Gibt es Lebensgeschichten, die von Anfang bis Ende nur erfolgreich sind? Uli Hoeneß? War im Gefängnis. Andere haben vielleicht im Job viel Erfolg, aber ihre privaten Beziehungen zebrechen währenddessen. Ist das wirklich Erfolg? Auch hier wieder: Es sind Menschen am Werk, keine Maschinen. Ein Glück!

Exkurs günstige Transfers: Neben den millionenschweren Fehleinkäufen gab es seit 2010/2011 auch positive Entwicklungen. Für vergleichsweise kleines Geld kamen etwa Vestergaard (2,5 Mio. Euro Ablöse, heutiger Wert laut transfermarkt.de: 7 Mio. Euro), S. Garcia (2 Mio. Euro, heute 3 Mio. Euro), Gebre Selassie (1,8 Mio. / 3 Mio.), Junuzovic (800.000 / 7 Mio.), F. Kroos (240.000 / 1,3),  Sternberg (ablösefrei / 500.000),  Pizarro (ablösefrei / 1 Mio.), Wiedwald (ablösefrei / 2,5 Mio.), Grillitsch (ablösefrei / 2,5 Mio.), Bartels (ablösefrei / 2,75 Mio.), Galvez (ablösefrei / 3,5 Mio.), di Santo (ablösefrei / 6 Mio.), Selke (ablösefrei / 8 Mio.). Das macht insgesamt Transferausgaben von 7,34 Mio. Euro, die heute einen Wert von 48,05 Mio. Euro darstellen! Ohne die bereits verkauften di Santo und Selke sind es immernoch beachtliche 34,05 Mio. Euro, also das mehr als viereinhalbfache der einst bezahlten Ablösesumme!

Warum ich das alles aufführe? Um darzulegen, dass nicht alles so fürchterlich dilettantisch war, was Werder gemacht hat. Dass es auch in mageren Jahren Positives gab und gibt. Und dass Skripnik es besonders schwer hat, in so einer Zeit erfolgreich zu sein, in der es vor ihm mit Schaaf und Dutt zwei Trainer und gleichzeitig mit Allofs und Eichin zwei Manager sowie mit Lemke und Bode zwei Aufsichtsratschefs gab. Jeder von ihnen hatte seine Vorstellungen und manchem war das Glück abhanden gekommen (Allofs‘ Spürnase, Schaafs Entscheidungen usw.). Da braucht es Zeit, um aus zig Spielern, die bei Werder in dieser Zeit kamen und gingen, eine erfolgreiches Team zusammenzustellen. Skripnik hat gegen Ende der Saison die passenden Spieler für dieses Team gefunden und das wiederum dazu passende System. Es gab ein 4-1-4-1 oder auch 4-2-3-1 mit der zentralen Achse Wiedwald-Vestergaard-Fritz-Junuzovic-Pizarro. Eine Elf gemischt aus Jung und Alt. Vielleicht muss er zur neuen Saison zwei Spieler aus dieser Achse ersetzen. Aber er kann mittlerweile auch auf Jungprofis zurückgreifen, die nicht gleich umfallen, wenn es plötzlich in der Bundesliga zur Sache geht, denn sie haben diese Luft nun schon geschnuppert. Ihr Trainer Skripnik hat, wie sie, in dieser Saison viele wertvolle Erfahrungen gesammelt, die ihm helfen werden, die kommende Spielzeit besser abzuschließen.

So schnell, wie der umjubelte „Skripniker“ zum Verlierertypen (gemacht) wurde, so schnell kann er auch wieder zum Gewinner werden. Mit ein wenig Glück viermal in Folge gewinnen und es gibt eine Eigendynamik; Spiele werden im Kopf entschieden! Und Skripnik kann es, seine Gesamtbilanz liest sich so schlecht nicht. Inklusive Pokal hat er in 66 Spielen einen Punkteschnitt von 1,39 erreicht. Im 34 Spielen sind das 47 Punkte. Das reicht für einen einstelligen Tabellenplatz, man kann damit auch mal ins internationale Geschäft rutschen. Noch ein Wort zur Gegentor-Debatte: Natürlich fängt sich Werder zu viele Tore ein, das weiß auch Skripnik. Er darf aber nicht zu extrem das Zu-Null einpauken, dann klappt es vorne nicht mehr. Offensivfußball ist in Werders DNA. Skripnik ist einer, der lieber 4:2 gewinnt als 2:0 (und wenn schon verlieren, dann besser 2:4 als 0:2 …). Das ist nicht nur für die Zuschauer schöner, sondern bringt auch in der Tabelle mehr. Diese Philosophie hat Werder in der Bundesliga-Abschlusstabelle nicht nur einen Platz höher rutschen lassen, sondern auch der U23 den Klassenerhalt beschert. Denn den gab es nur aufgrund der mehr geschossenen Tore!
Werder braucht Konstanz. Ich würde Viktor Skripnik im Amt lassen. Er kann es packen!

Baumann für Eichin: Die Fortsetzung eines guten Weges

Ich fand Thomas Eichin nicht schlecht. Seine Transferbilanz ordentlich, sein Auftreten okay. Er hat gute Arbeit geleistet und ich wäre nicht traurig gewesen, wäre er im Amt geblieben. Werder hat anders entschieden. Kein Außenstehender kennt die Hintergründe und Interna wirklich genau. Es wird nur spekuliert und mitunter populistischen Medienbeiträgen nachgeplappert. Ich kenne Marco Bode nicht persönlich, denke aber, das er clever genug ist, kluge Entscheidungen zu treffen. Darauf vertraue ich auch in diesem Fall.

Dass Frank Baumann nun vorab von Medien und manchen Fans so vorverurteilt wird, empfinde ich mindestens als schräg. Eichin wurde anfangs oder auch zwischendurch mal als Eishockey-Manager ohne ausreichend Erfahrung im Fußball-Bundesliga-Zirkus misskreditiert und als zu Ich-bezogen, rauh, ungehobelt dargestellt. Baumann ist den Leuten nun zu still, bescheiden, unauffällig, zu nett. Ebenfalls zu unerfahren. Die Weichenstellung „Baumann für Eichin“ bewertet zum Beispiel der kicker als mutig und riskant. Ähnlich redete man damals über Eichin. Heute wird der Mann, der vom Eis auf den Rasen kam, medial plötzlich höher gehoben als viele Medienleute dies kurz zuvor je selbst gedacht hätten. Weil man die Inthronisierung von Baumann als Klüngel der „Werder-Familie“ betrachtet und vielleicht mehr Langeweile befüchtet, weil ein Typ wie der Ex-Nürnberger unter Umständen weniger Schlagzeilen liefert? Auch hier ist mehr Respekt angebracht vor dem Menschen. Er sollte erst einmal die Chance erhalten, loszulegen und die Arbeit sollte erst bewertet werden, wenn er sie eine zeitlang gemacht hat.

Bodenständiger Bode bringt Bremen mit Baumann zurück in die Beletage der Bundesliga

Willi Lemke ist genug verunglimpft worden. Jetzt gibt es ein neues Opfer: Marco Bode. Einst als der fairste Spieler der Bundesliga, Sympathieträger par excellence, kluger Kopf und äußerst angenehmer Zeitgenosse allseits beliebt, zerreißen ihn nun die ersten Nörgler für seine Entscheidung „Baumann für Eichin“. Auch hier gilt: Abwarten und Tee trinken. Der Mann hat schließlich keinen Manager entlassen, der einen Drittligisten innerhalb seiner fast dreieinhalbjährigen Amtszeit in die Champions League gebracht hat. Und er hat auch keinen Mann eingestellt, der nach seiner Spielerkarriere nur auf dem Sofa gelegen und Fußballmanager auf dem Computer gedaddelt hat. Vielleicht ist die Überschrift dieses Absatzes ja bald schon Realität. Warum von vornherein so negativ? Jürgen L. Born, von vielen heutigen Werder-Kritikern ob seiner Verdienste als Klubchef in Werders goldenen Jahren hochgeschätzt, hat es im Weser-Kurier auf den Punkt gebracht: „Bei Werder musste sich grundlegend einiges ändern. Und man wird sicherlich weiterhin nachdenken. Aber ich finde es toll, dass jemand aus der Werder-Familie gewonnen werden konnte. Warum sollte man die Werder-Familie meiden, wenn Auswärtige wie Robin Dutt und Thomas Eichin in Bremen nicht unbedingt erfolgreich angekommen sind? Der Konstellation mit Baumann sollte man nun erst mal eine Chance geben.“

Mit hungrigen Spielern zu mehr Erfolg

Die Achse Wiedwald-Vestergaard-Fritz-Junuzovic-Pizarro steht. Sie kann freilich noch in dieser Transferperiode (Vestergaard nach Gladbach?) und nach der EM (wenn womöglich Junuzovic einem lukrativen Angebot folgen möchte) gesprengt werden. Das würde gleichzeitig höhere Millioneneinnahmen bedeuten; Alternativen von außerhalb müssten also nicht unbedingt ablösefrei sein. Es scharren aber auch schon welche im bestehenden Kader mit den Hufen: Gálvez, Hüsing, womöglich Caldirola oder Veljkovic als Innenverteidiger. Und im zentralen Mittelfeld: Grillitsch, Kleinheisler, Yildirim, M. Eggestein oder bei Rückkehr Aycicek (alle eher offensiv) sowie Yatabaré, Petsos, Bargfrede oder auch Fröde, von Haacke oder bei Rückkehr F. Kroos (alle eher defensiv). Viele Möglichkeiten allein schon aus Bordmitteln. Es handelt sich dabei nicht um große Namen, dafür um durchweg hungrige Spieler, die entweder noch nicht lange im Verein sind oder sich nach Verletzungen, aufgrund der bisherigen Vita oder ihrer Jugend beweisen wollen.

Sollten andere gute Spieler wie Ujah das Team verlassen, gibt es auch dafür Ablöse – und auch hier bereits Alternativen im Kader, wie der an der Weser altbekannte Neuzugang Thy oder Außenstürmer Eilers (der den Weggang von Öztunali auffangen könnte, wie auch Lorenzen oder bei Rückkehr Hajrovic). Der eine jung und hungrig, der andere bereits erfahren aber ebenso hungrig, da noch ohne Bundesliga-Einsatz. Auch der bislang meist verletzte Mittelstürmer Johannsson könnte sozusagen als Neuling durchstarten.

Dazu gesellen sich bewährte Kräfte wie Bartels, Gebre Selassie, S. Garcia und solche mit Entwicklungspotenzial wie Sternberg, U. Garcia, Guwara, Zander, Busch. Eichin und Tim Steidten werden einiges vorbereitet haben, Baumann und Team werden bereits fleißig arbeiten. Mir ist um Werder nicht bange. Die aktuell bestehende Mannschaft hat bewiesen, dass 45 bis 52 Punkte mit ihr möglich sind. Dasselbe gilt, wenn es noch den einen oder anderen Abgang geben sollte. Im Sommer 1987 ging mit Rudi Völler Werders titelloser Top-Torjäger und die Grün-Weißen waren – trotzdem oder deswegen – im Sommer 1988 mit Zweitliga-Spieler Kalle Riedle prompt Deutscher Meister geworden. Das ist nur eines von vielen Beispielen, wo große Namen ebensowenig Erfolg garantierten wie kleine Namen automatisch Misserfolg bedeuteten.

Im Fußball hat sich schon oft gezeigt: Mit Mentalität, Teamgeist, Taktik lässt sich so einiges bewegen. Das ist das Schöne an diesem Sport, auch heute noch. Werder Bremen kann mit Spielern wie Vestergaard, Djilobodji, Junuzovic, Ujah absteigen. Genauso kann Werder Bremen mit Gálvez, Caldirola, Grillitsch, Thy Siebter werden. Das eine wurde oder wird womöglich nie real, das andere vielleicht auch nicht. Aber Werder Bremen wird wieder eine schlagkräftige Erstliga-Mannschaft stellen. Und das ist schön!

Grün-weißes Vertrauen

Die Werder-Führung hat Vertrauen in Viktor Skripnik, das hoffentlich belohnt wird. Wenn es so kommt und die Grün-Weißen Bundesligist bleiben, verdient das großen Respekt.
Ich habe weiterhin Vertrauen darin, dass Bremen den Klassenerhalt schafft. Obwohl ich zum jetzigen Zeitpunkt mit dem einen oder anderen Punkt mehr gerechnet hatte.
Aber: Werder hat noch immer alles selbst in der Hand. Ein Sieg gegen den VfB Stuttgart – und wir tauschen mit den Schwaben die Plätze, stehen weder auf einem Abstiegs- noch auf dem Relegationsplatz und haben eine gute Ausgangsposition für die letzten zwei Spiele der Saison.

Qualität ist in der Bremer Mannschaft ausreichend vorhanden. Sie kann auf das Potenzial vertrauen, jeden Bundesliga-Kontrahenten schlagen zu können. Denn das hat sie bereits in großem Umfang bewiesen; nur gegen Bayern, Dortmund, Ingolstadt, Darmstadt und Hamburg gab es in dieser Saison keinen Sieg. Dafür gegen andere Teams von internationalem Format, wie Leverkusen, Gladbach, Mainz, Schalke und Wolfsburg.

Die Mannschaft ist definitiv stark genug

Nur wegen des verlorenen Nordderbys ist nicht plötzlich alles wieder schlecht, was beispielsweise gegen Wolfsburg und in München gut war! Pizarros verschossener Elfmeter in Hamburg war eine Eintagsfliege, er wird uns noch helfen. Ujah trifft wieder, Junuzovic ist in Form, ebenso Fritz. Yatabaré bereichert Werders Spiel, Bartels spielt seine beste Erstliga-Saison,  der junge Grillitsch bringt auf der Sechs klasse Leistungen. In der Defensive haben wir EM-Teilnehmer (2012) Gebre Selassie, Nationalspieler Vestergaard, Afrika-Cup-Teilnehmer (2015) und Chelsea(!)-Leihgabe Djilobodji, Santiago Garcia (höchster Marktwert seit er Profi ist, immerhin bereits vier Torvorlagen) und Sternberg (Ex-U18-Nationalspieler mit guten Ansätzen und beispielsweise 100 % Zweikampfquote gegen Dortmund(!); zum Vergleich Nationalspieler Schmelzer in diesem Spiel 56 %). Dazu Wiedwald (mitunter in der Kritik – zeigt aber immer wieder starke Paraden) und von der Bank unter anderem Nationalspieler Kleinheisler und die durchaus bundesligatauglichen Profis Galvez, Öztunali oder Tremmel. Mit dieser Mannschaft muss der Klassenerhalt möglich sein!

Werders Spieler haben nach der englischen Woche nun bis Montag, 2. Mai ausreichend Zeit, Kraft zu tanken und sich auf das Spiel gegen den VfB vorzubereiten. Sie beschäftigen sich hoffentlich nicht mit negativen Gedanken, denn das bringt gar nichts! Die mehrheitlich tollen Fans der Bremer meckern nicht (denn auch das bringt absolut nichts), sondern unterstützen ihre Mannschaft weiter. Die drei Punkte müssen her; Werder hat Druck. Doch den hat Stuttgart auch, die Schwaben gewannen nur eine ihrer vergangenen zehn Partien. Jeder kann jeden schlagen, so wie heute Frankfurt die Mainzer. Alles ist möglich. Ich vertraue darauf, dass Werder drin bleibt, dass das Trainerteam um Viktor Skripnik und die Spieler sich selbst vertrauen und darauf, dass die #greenwhitewonderwall steht.

Das Restprogramm der Kontrahenten um den Klassenerhalt:

11. Hamburg (Gesamtpunktzahl: 37 / Tordifferenz: -7):
Mainz (A), Wolfsb. (H), Augsburg (A)
12. Augsburg (36, -8):
Köln (H), Schalke (A), Hamburg (H)
13. Darmstadt (35, -13):
Frankfurt (H)
, Berlin (A), Gladbach (H)
14. Hoffenheim (34, -12):
Ingolstadt (H), Hannover (A)
, Schalke (H)
15. Stuttgart (33 / -17):
Werder (A), Mainz (H), Wolfsb. (A)
——————————————————————————————————————————————- 16. WERDER (31, -20):
Stuttgart (H), Köln (A), Frankfurt (H)
___________________________________________________________________________
17. Frankfurt (30, -19):
Darmstadt (A), Dortmund (H), Werder (A)
18. Hannover (22, -28):
Schalke (H), Hoffenh. (H), München (A)

Bremer David gegen Münchner Goliath

Mein Neffe Luca und ich: Sind unsere Körperlängen der Maßstab, bin ich noch der Goliath. Fußballerisch haben wir uns lang nicht mehr gemessen. Doch ich vermute, dass ich so langsam das Nachsehen haben werde. Zumal er aktuell immerhin Zweiter in der Torjägerliste der U14-Kreisliga ist und das als Sechser.
Seine Lieblingsmannschaft ist der FC Bayern, meine Werder Bremen. Da ist die Rollenverteilung schon klar: Luca und seine Münchner sind der Favorit, meine Grün-Weißen der Außenseiter. Die beiden Bundesliga-Duelle gingen in dieser Saison mit sechs Punkten und 6:0 Toren klar an den FCB. Im Pokal hat das Team von Bremens Trainer Viktor Skripnik allerdings schon bei favorisierten Gladbachern und Leverkusenern gewonnen. Gelingt auch in der Allianz-Arena die Überraschung?

Luca, morgen geht’s um den Einzug ins DFB-Pokalfinale. Als wir Ende Februar sprachen, hast du auf ein 2:0 für den FC Bayern getippt. Bleibst du dabei?
Luca: Ja! Vielleicht wird es sogar ein höherer Sieg, weil Werder gerade im Abstiegskampf größere Probleme hat und ein Pokal-Aus verkraften könnte.

Werder hat sich durch das 3:2 gegen Wolfsburg Selbstvertrauen geholt, wird sicherlich anders auftreten als neulich beim 0:5 und spielt in dieser Saison im Pokal sehr erfolgreich. Eine Überraschung ist für dich aber ausgeschlossen?
Ich sehe die Chancen bei 85:15 für Bayern, da die individuelle Klasse doch deutlich höher ist.

Vor Bayerns Achtelfinal-Hinspiel bei Juventus Turin hattest du das Auswärts-Remis und den Heimsieg der Münchner vorhergesagt. Ich hoffe, mit deinem Tipp gegen Werder liegst du daneben. Aber du darfst gern noch etwas zu den Chancen des FCB gegen Atletico Madrid sagen.
Favorit sind sie schon, aber es wird sehr, sehr, sehr eng. Atletico spielt eine klasse Saison in Spanien und hat immerhin Barca rausgeschmissen.

Anfang März hatte Bayern einen Mini-Durchhänger, verlor gegen Mainz und konnte Dortmund nicht besiegen. Glaubst du, die Meisterschaft ist mittlerweile entschieden? Das Team von Pep Guardiola könnte ja auch bei der Hertha, gegen Gladbach, in Ingolstadt oder gegen Hannover stolpern schließlich geht es zwischendurch um die Champions League, während Dortmund sich ausruhen kann.
In den vergangenen beiden Spielen hat man an den Aufstellungen von Dortmund gesehen, dass der BVB die Meisterschaft abgehakt hat und auf den Pokal hofft. Die Meisterschaft ist also entschieden, da Bayern gegen Gladbach zu Hause spielt, die Hertha gerade formschwach ist und Ingolstadt und Hannover absolut schlagbar sind.

Du glaubst also an das Triple?
Möglich ist es, aber Atletico wird es Bayern sehr schwer machen und auch im DFB-Pokal kann es gegen Werder oder im Finale eine Niederlage geben.

„Vielleicht ein frühes Tor für Werder …“

Was müsste passieren, damit meine Bremer nach Berlin fahren?
Vielleicht ein frühes Tor für Werder und dann in der zweiten Halbzeit einen Konter setzen – sonst wird es glaub ich nichts.

In der Liga haben die Grün-Weißen seit Ende Februar nur gegen Bayern und Dortmund aber leider auch gegen Augsburg verloren. Du hast damals gesagt, die Bremer werden sich fangen. Noch stehen sie auf dem Relegationsplatz. Wann ist der Klassenerhalt fix?
Das Restprogramm spricht auf jeden Fall für Werder, da es gegen direkte Konkurrenten geht, die alle – außer vielleicht Köln – aktuell nicht gut in Form sind. Zwei Siege gegen Hamburg und Stuttgart und Werder ist durch. Aber wenn die beiden Spiele verloren werden oder nur ein, zwei Punkte dabei herausspringen, wird es eng. In diesem Fall würde dann das Duell gegen Frankfurt über Relegation oder direkten Abstieg entscheiden.

Welchen Stellenwert hat der DFB-Pokal für dich als Bayern-Fan?
Schon einen hohen, aber den niedrigsten aller drei Wettbewerbe.

Vielen Dank und weiterhin viel Erfolg in der U14, Luca!

Warum Werder die Klasse hält

Zuletzt schrieb ich in diesem Blog nach dem Darmstadt-Spiel über die Lage bei Werder, seine Fans, was motiviert und was nicht. Das Spiel endete 2:2 – nicht enden wollten die Kommentare mancher Experten, Viktor Skripnik sei der falsche Mann für das Traineramt bei Werder Bremen. Es folgten zwei 4:1-Siege, der erste beim Sechstplatzierten Leverkusen. Der nächste im Weserstadion gegen Hannover. Es war zugleich der erste Heimsieg seit dem 2:1 gegen Gladbach am dritten Spieltag im August. Die Stimmung war daraufhin bei den meisten wieder besser, den größten Kritikern gingen die Argumente aus. Doch es folgte ein desaströses 0:5 in München. Nach dieser extrem schwachen Leistung unkte so mancher, Werder sei dadurch völlig aus der Spur gekommen. Vor dem Heimspiel gegen Mainz und der Auswärtpartie in Dortmund sei daher eine neue Niederlagen-Serie zu befürchten.

Ich weiß, es geht bei einer (hohen) Niederlage nicht nur um das Ergebnis , sondern auch um die Art und Weise. Dennoch finde ich es interessant, welche Mannschaften außer Werder ebenfalls in dieser Saison in München baden gingen:
In der Bundesliga der HSV (0:5 am 1. Spieltag), Wolfsburg (1:5, 6.), Dortmund (1:5, 8.), Köln (0:4, 10.) und Stuttgart (0:4, 12.) sowie in der Champions League Zagreb (0:5,  2.), Arsenal (1:5, 4.) und Piräus (0:4, 5.).

Umso schöner, dass Werder vorgestern gegen Mainz eben nicht verlor. Sicherlich wäre ein Sieg wichtig gewesen, aber auch hier sollte der Blick auf die Art und Weise gelenkt werden: Das Spiel der Bremer war okay, es war eine Leistung auf Augenhöhe mit den vor Anpfiff der Partie auf Platz sechs rangierenden Mainzern. Die formstarke Schmidt-Elf war zuvor in fünf von acht Spielen siegreich gewesen, darunter gegen Gladbach, Schalke, Leverkusen – und in München!

System und Formation gefunden

Die Werder-Mannschaft hat also sehr wohl Charakter. Und Viktor Skripnik hat mittlerweile offenbar das „richtige“ System und die dazu passende Formation gefunden. Er liegt mit dem 4-1-4-1 und der Achse Wiedwald – Vestergaard – Grillitsch – Fritz/Junuzovic – Pizarro richtig und sollte dies, unabhängig vom Gegner, so beibehalten.

Werder hat von den letzten 13 Bundesliga-Spielen nur vier verloren. Nach den ersten zehn Spielen der Hinrunde war Bremen 14., hatte bereits sechsmal verloren und auf den Relegationsplatz drei Punkte Vorsprung, auf Rang sechs waren es sieben Punkte Rückstand. Nach den ersten zehn Spielen der Rückrunde belegt Werder in der entsprechenden Tabelle den 11. Platz, hat erst dreimal verloren, auf den Relegationsplatz vier Punkte Vorsprung und auf Rang sechs nur drei Punkte Rückstand. Das ist bei Betrachtung der entscheidenden Gesamttabelle natürlich uninteressant, weist diese doch aktuell nur einen Punkt Vorsprung auf die Abstiegsränge auf. Und doch zeigt es eine zwar zarte aber eben positive Entwicklung des Teams. Jenes Teams, das im Halbfinale des DFB-Pokals steht, auf dem Weg dorthin namhafte Gegner besiegte und in der Bundesliga außer Bayern und vielleicht Dortmund jede Mannschaft schlagen kann.

Ein Blick auf die Duelle, die in dieser Saison schon zweimal stattfanden, zeigt die Klassentauglichkeit Werders. Im Schnitt holten die Grün-Weißen dabei nämlich 1,3 Punkte und das ergibt hochgerechnet auf 34 Spiele 44 Punkte. Damit bleibt man drin. Gegen die verbleibenden sieben Gegner gelangen Bremen in der Hinrunde zwar nur fünf Punkte. Addiert mit den bislang erreichten 28 ergibt das 33 Punkte, was wohl kaum zum Klassenverbleib reicht. Doch die Entwicklung im Laufe der Saison gibt Hoffnung, dass Werder dieses Mal mehr holt und von den sieben Partien drei gewinnen kann, was reichen sollte.

Neun Bundesligisten kämpfen noch um den Klassenerhalt. In der Rückrunde ist Werder von diesen Mannschaften aktuell die viertbeste.

Punkte und Tordifferenz der Kellerkinder in der Rückrunde

Stuttgart: 17, 4
Hoffenheim: 14, -5
Ingolstadt: 13, -1
WERDER: 13, -3
Darmstadt: 10, -4
Frankfurt: 10, -7
Hamburg: 9, -3
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Köln: 9, -3
________________
Augsburg: 8, -5
Hannover: 3, -16

Zudem zeigt der Blick auf das Restprogramm, dass Werder in fünf der sieben Partien auf direkte Kontrahenten um den Klassenerhalt trifft. Hier kann sich die Elf von der Weser mit Punktgewinnen über Wasser halten oder sogar absetzen. Dasselbe gilt sonst nur für Darmstadt, die außerdem zusammen mit Augsburg und Hoffenheim bereits die Spiele gegen die vermeintlichen Übermannschaften aus München und Dortmund hinter sich haben. Stuttgart und Frankfurt eint, dass sie gegen beide Liga-Anführer noch antreten müssen.

Kampf um den Klassenerhalt: Ausgangssituation nach dem 27. Spieltag und Restprogramm

9. Köln (Gesamtpunktzahl: 33 / Tordifferenz gesamt: -6)
Hoffenh. (A), Leverk. (H), Mainz (A), Darmstadt (H), Augsburg (A), Werder (H), Dortmund (A)
10. Ingolstadt (33 / -8):
Schalke (H), Gladb. (H), Darmstadt (A), Hannover (H), Hoffenh. (A), München (H), Leverk. (A)
11. Stuttgart (32 / -11):
Darmstadt (A), München (H), Augsburg (A), Dortmund (H), Werder (A), Mainz (H), Wolfsb. (A)
12. Hamburg (31, -7):
Hannover (A), Darmstadt (H), Dortmund (A), Werder (H), Mainz (A), Wolfsb. (H), Augsburg (A)
13. Darmstadt (28, -13):
Stuttgart (H), Hamburg (A), Ingolstadt (H), Köln (A), Frankfurt (H), Berlin (A), Gladbach (H)
14. WERDER (28, -18):
Dortmund (A), Augsburg (H), Wolfsb. (H), Hamburg (A), Stuttgart (H), Köln (A), Frankfurt (H)
15. Augsburg (27, -10):
Mainz (A), Werder (A), Stuttgart (H), Wolfsb. (A), Köln (H), Schalke (A), Hamburg (H)
——————————————————————————————————————————————- 16. Hoffenheim (27, -13):
Köln (H), Frankfurt (A), Berlin (H), Gladbach (A), Ingolstadt (H), Hannover (A), Schalke (H)
___________________________________________________________________________
17. Frankfurt (27, -14):
München (A), Hoffenh. (H), Leverk. (A), Mainz (H), Darmstadt (A), Dortmund (H), Werder (A)
18. Hannover (17, -27):
Hamburg (H), Berlin (A), Gladbach (H), Ingolstadt (A), Schalke (H), Hoffenh. (H), München (A)

Meine Einschätzung zu den Kellerkindern im Einzelnen:
Köln war nach der Hinrunde Neunter mit nur drei Punkten Rückstand auf die internationalen Plätze! In der Rückrundentabelle bekleiden sie bloß den Relegationsplatz. Die noch fehlenden Punkte sollten dennoch zu schaffen sein.
Ingolstadt sammelt einfach still und heimlich seine Punkte. Zuletzt zwar fünf Spiele ohne Sieg, vor der aktuellen Niederlage gegen Hertha aber eben auch mit fünf Spielen ohne Niederlage. So erhält man die Klasse.
Stuttgart hat nur eines der vergangenen sechs Spiele gewonnen. Der Zwischensprint nach oben ist definitiv gestoppt, das Restprogramm hart; für die Schwaben könnte es nochmal richtig eng werden.
Hamburg schaffte nur zwei Siege in den letzten 13(!) Spielen, profitiert noch von seiner 22 Punkte starken Hinrunde. Immerhin gab es neulich aber vier Spiele ohne Niederlage. Erreicht die Labbadia-Elf nicht schleunigst wieder diese Konstanz, rutscht sie unten rein.
Darmstadt ist seit sieben Spielen sieglos, jedoch stets für Punktgewinne gut und scheinbar immun gegen derbe Klatschen, die der Psyche einen Knacks gegen können. Gelingt jetzt schnell wieder ein Dreier, könnten es die Lilien am Ende schaffen.
WERDER hat zwar derzeit das mieseste Torverhältnis, doch unter den Teams der zweiten Tabellenhälfte nach Stuttgart auch die meisten Tore erzielt und knapp hinter Hoffenheim die beste Chancenverwertung. Aus oben genannten Gründen und wenn die Grün-Weißen von Ausfällen, vor allem der Achsen-Spieler, verschont bleiben, gelingt der Klassenerhalt! Als Plus könnte sich zudem noch entpuppen, was Trainer Skripnik oft vorgeworfen wurde: Viele Personal- und Systemwechsel – es gibt kaum jemanden im Kader, der in dieser Spielzeit noch keine Erfahrung auf dem Platz sammeln durfte. Und wenn situativ eine andere Grundordnung nötig sein sollte als das 4-1-4-1, dürfte das kein Problem sein.
Augsburg schaffte vor und nach der Winterpause sieben Spiele am Stück ohne Niederlage, hat aber in der Rückrunde erst einmal gewonnen. Gelingt jetzt in Mainz und Bremen kein Punktgewinn für die auswärtsstarken Fuggerstädter, stehen sie unter dem Strich.
Hoffenheim kann auch mit Nagelsmann verlieren, neulich sogar mit 1:5 in Stuttgart, doch es folgten direkt zwei Siege. Gut möglich, dass sich der Tabellenletzte der Hinrunde tatsächlich rettet.
Frankfurt ist das auswärtschwächste Team der Liga und jetzt geht es nach München, Leverkusen, Darmstadt. Dazwischen wird’s zu Hause gegen Hoffenheim und Mainz auch nicht leicht. Ohne den verletzten Torjäger Meier geht’s in Liga zwei, mit ihm vielleicht auch.
Hannover kann jetzt befreit aufspielen, denn der Abstieg steht eigentlich fest. Genau das kann eine Chance sein. Jetzt drei Siege und das rettende Ufer wäre, wenn die Kontrahenten mitspielen, nur noch zwei Punkte entfernt. Im Fußball ist ja alles möglich …

Fazit: Für Stuttgart und Hamburg wird es eng

Wer bleibt also in der Bundesliga?
So gut wie sicher:
Köln muss aufpassen, hat aber wie Ingolstadt die Hamster-/Eichhörnchen-Mentalität; beide erhalten die Klasse. Die Werderaner haben jetzt ein schweres Spiel in Dortmund, aber mit dem Remis gegen Mainz bewiesen, dass sie auch ein 0:5 in München nicht aus der Bahn wirft. Die Skripinik-Elf wird endlich konstanter und bleibt ebenfalls drin. Ähnliches gilt für Hoffenheim, die sich als Abgeschlagene wieder herangekämpft haben. Am Ende wird’s für sie reichen.
Wackelig: Darmstadt spielt nun nacheinander gegen alle vier Teams, die direkt vor ihnen stehen. Nur wenn sie sich in diesen Duellen stetig Punkte erkämpfen, entkommen sie dem Abstieg. Gewinnen Stuttgart (in Darmstadt) und Hamburg (in Hannover) sofort nach der Länderspielpause, geht’s immerhin mit Selbstvertrauen ins harte Restprogramm; schwierig wird das allemal. Augsburg hat gegen Leverkusen und Dortmund geführt und jeweils nicht gewonnen. Das zehrt. Der nächste Gegner Mainz ist formstark und clever, danach geht’s nach Bremen, wo die Fans das Team zum Heimsieg tragen; Augsburg kämpft mit Darmstadt, Stuttgart und Hamburg um den Relegationsplatz.
Mehr als holprig: Frankfurt verliert in München und danach liegt viel Druck auf dem Finale gegen Hoffenheim. Die sind zu gut drauf. Anschließend müssen die Hessen nach Leverkusen, die von der Belastung der internationalen Spiele befreit sind; der Abstieg naht. Hannover braucht ein Fußballwunder. Normalerweise wird der Klassenerhalt nicht mehr gelingen.

Von Ungeduld und Liebe

Die Bremer Fans sind schon oft positiv aufgefallen. Nicht erst, als sie neulich während des Viertelfinalspiels der Werderaner in Leverkusen für Heimspiel-Atmosphäre sorgten (auch wenn es ohne Pyro-Einsatz noch besser gewesen wäre!).

Ausgerechnet Werders treueste Fans, die im Bremer Weserstadion in der Ostkurve stehen, zeigten gestern aber ein Spruchband, das mich enttäuschte: „Unsere Geduld ist nicht grenzenlos“ stand darauf. Der kicker unterschrieb ein Bild davon mit den Worten: „Klare Ansage: Bremer Fans vor dem Spiel gegen Darmstadt.“

Da kommt man also als Spieler der Heimmannschaft ins Stadion eingelaufen und liest vielleicht diesen Spruch der eigenen Fans. Zuvor konnte man – nach dem besagten Sieg im DFB-Pokalwettbewerb bei favorisierten Leverkusenern – in der Bundesliga zweimal gegen direkte Konkurrenten nicht gewinnen. Das Selbstvertrauen der Spieler ist in so einer Situation also höchstwahrscheinlich nicht allzu groß. Der Druck hingegen schon. Zumal die offensichtlich recht schwere Aufgabe ansteht, im Übrigen gegen einen weiteren Konkurrenten um den Klassenverbleib, endlich wieder einen Heimsieg einzufahren. Der vorerst letzte war in der Liga Ende August, im Pokal Ende Oktober gelungen. Lange her. Und nun kommt von den eigenen Fans die „Ansage“, dass ihre Geduld nicht grenzenlos sei. Von den Fans, auf die man zählt. Von denen die Spieler eigentlich wissen, dass sie auch dann noch zum Team halten, wenn an anderen Bundesliga-Standorten schon Sitzblockaden abgehalten werden, um den „Scheiß Millionären“ Erklärungen abzunötigen. Wenn andernorts längst lauthals der Rauswurf von Vorstand, Trainern oder Spielern gefordert wird. Wenn sich hochgereckte Stinkefinger gegen die eigene Mannschaft richten. Nicht so in Bremen. Doch jetzt „ist die Geduld nicht mehr grenzenlos“.

„Wenn wir heute verlieren, brechen uns auch noch die Fans weg.“

Was wollten die Fans ihrem Verein, ihren Spielern damit sagen? Wie fasst ein Spieler in ohnehin schon angeschlagener Verfassung so etwas wohl auf? Denkt er sich „Oh, die Fans werden langsam ungeduldig. Na dann gebe ich mir heute vielleicht doch mal Mühe und wir schauen mal, dass wir gewinnen“? Wohl kaum! Ich glaube, es geht eher in die Richtung „Oje, wenn wir heute verlieren, brechen uns auch noch die Fans weg“. Herzlichen Glückwunsch. So stärkt man das eigene Team sicher nicht!

In der Vergangenheit haben Werder-Fans ein gutes Gespür gezeigt, haben den Bremer Profis nach verlorenen Spielen schon mal Trostschokolade hinter die Windschutzscheibe ihrer Autos geklemmt. Klar, gewisse Dinge nutzen sich vielleicht ab. Aber „Unsere Geduld ist nicht grenzenlos“?? Wenn Werder also in Leverkusen verlieren sollte, kommen gegen Hannover nur noch die Hälfte der Treuen in die Ostkurve? Bleibt demnächst mal ein Block für die ersten zwanzig Minuten leer, weil die „Fans“ demonstrieren wollen, dass man sich die fade Leistung nicht mehr bieten lässt? Glaubt irgendjemand, dass es davon besser wird?

„Wir sind echte Fans. Wir halten zu euch. Immer! Lebenslang Grün-Weiß“

Wie wäre es hingegen, wenn die Fans in Leverkusen einen ähnlichen Super-Auftritt hinlegten wie neulich beim Viertelfinalspiel? Wie wäre es, wenn beim Spiel gegen Hannover 96 das folgende Spruchband zu lesen wäre: „Wir sind echte Fans. Wir halten zu euch. Immer! Lebenslang Grün-Weiß“ – und dann mal wieder häufiger entschlossen kraftvolle „Werder, Werder“-Rufe statt des einschläfernden Singsangs zu hören wären? Das wäre eine wirklich klare Ansage. „Unsere Geduld ist nicht grenzenlos“ ist nur mauliges Rumgezicke. Was empfände denn jeder einzelne selbst, wenn ihm sein Chef dergleichen sagen würde oder der Partner oder die Eltern? Motiviert das zu positiven Handlungen?

Den Spielern von Werder Bremen ist doch derzeit nicht mangelnde Einstellung oder mieser Charakter vorzuwerfen! Ihnen ist einfach nur zu wünschen, dass sie aus den im Vergleich zur Hinrunde verbesserten Spieldaten öfter Siege generieren.

Wer macht wirklich klare Ansagen?

Freilich könnten die Profis selbst mal eine klare Ansage machen: „Wir spendieren unseren unglaublich tollen und treuen Fans eine Auswärtsfahrt nach Leverkusen, München oder Dortmund!“

Fans sprechen mitunter von ihrer Liebe zum Verein. Und sie zeigen es, indem sie die Mannschaft beispielsweise auch auswärts hervorragend unterstützen. Sie tragen die Raute im Herzen. Sie sollten es weiter zeigen, wenn sie es ernst meinen mit der Liebe. Zu verdeulichen, dass die Geduld bald aufgebraucht sei, spricht – bei allem Verständnis für Frust – leider eine ganz andere Sprache.

Jeder, der selbst Fußball gespielt hat, weiß, dass Siege nicht auf Knopfdruck gelingen. Selbst, wenn man alles gibt. Aber er es gibt eben auch andere Möglichkeiten, das Bemühen der Fans zu honorieren. Und den Fans stehen weiter alle Stadiontore offen, ihrer Liebe Ausdruck zu verleihen.

Es wäre zu schön, wenn beide Seiten sich ans Geben erinnerten, statt ans Nehmen.

Werder Bremen war leider nicht der Gewinner dieses Spieltags. Aber der große Verlierer ebenfalls nicht! Die Chancen auf den Klassenerhalt stehen weiter gut. Und sie steigen, wenn die Fans weiter echte Fans bleiben.

Stuttgart (derzeit 12., holte am Wochenende 0 Punkte):
Gladbach (A), Hoffenheim (H)
Augsburg (13., 1):
Hoffenheim (A)
, Leverkusen (H)
Darmstadt (14., 1):
Dortmund (H), Mainz (A)
Frankfurt (15., 1):
Berlin (A), Ingolstadt (H)
WERDER (16., 1):
Leverkusen (A), Hannover 96 (H)
Hoffenheim (17., 0):
Augsburg (H), Stuttgart (A)
Hannover (18., 3):
Wolfsburg (H), Werder (A)